Thomas Url, Private Versicherungen als Finanzierungsquelle für den Pflegebedarf im Alter

Monographien, März 2011, 39 Seiten
   
Privatversicherungen stehen im Bereich der Langzeitpflege wegen asymmetrischer Information, moralischen Risikos, aggregierter Risken und vor allem wegen der Verdrängung von Versicherungsleistungen durch staatliche Transfers vor erheblichen versicherungstechnischen Problemen. Trotzdem sollte die Pflegeversicherung ein interessanter Versicherungsmarkt sein, weil der Risikoausgleich sowohl innerhalb des Versichertenkollektivs als auch zwischen der Ein- und Auszahlungsphase möglich ist und versicherungstechnische Instrumente zur Verringerung von moralischem Risiko und Negativselektion zur Verfügung stehen. Wegen der hohen aggregierten Risken sollten die Leistungen einer privaten Pflegeversicherung aus festen Beträgen bestehen, die schrittweise mit dem Pflegebedarf steigen. Eine dauerhafte Entlastung der öffentlichen Haushalte von Pflegekosten durch eine Privatversicherung erscheint nur mit einer allgemeinen Versicherungspflicht möglich. Die Umsetzung einer Versicherungspflicht könnte mit der Einrichtung einer Versicherungsbörse verknüpft werden. Diese Börse kann auch das Prämieninkasso für die Versicherer übernehmen. Für Personen mit niedrigem Einkommen könnte die öffentliche Hand die Versicherungsprämie direkt an dieser Börse subventionieren. Durch Prämiensubventionen und den Betrieb der Versicherungsbörse entstehen zwar Kosten für die öffentliche Hand, sie sollten jedoch deutlich niedriger sein als die derzeitigen Ausgaben.
 
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Auftraggeber: Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs
Forschungsbereich:Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
Sprache:Deutsch

Private Insurances – A Source for Financing Care for the Elderly

Insurance for private long-term care expenditures faces severe technical problems due to asymmetric information, moral hazard, aggregate risks, and particularly public transfers successfully crowding out private insurance products. Nevertheless, private long-term care insurance offers interesting opportunities to share risks across individuals and over time and thus should be an interesting market as long as instruments to curb adverse selection and moral hazard can be used in insurance contracts. Given the high degree of aggregate risk in the future development of costs for long-term care, a flat payment scheme gradually increasing in the degree of disability looks preferable. This still leaves crowding-out property of public transfers unsolved. A sustainable relief for public finances by private long-term care insurance therefore needs mandatory insurance possibly sold through a public insurance exchange. This exchange could collect premium payments on behalf of the insurance companies and provide an easy framework for the government to directly subsidise low income households. Premium subsidies still imply public expenditures on long-term care but they should be considerably lower as compared to actual spending levels.

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