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Margit Schratzenstaller, Fanny Dellinger, Genderdifferenzierte Lenkungswirkungen des Abgabensystems

Projektberichte (in Arbeit), September 2017
Im Rahmen der Wirkungsorientierung des Bundes ist jedes Ressort zur Formulierung eines Gleichstellungszieles verpflichtet. Gemäß einem der Gleichstellungsziele des Bundesministeriums für Finanzen soll das Abgabensystem zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Erwerbsarbeit und der unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern beitragen. Vor diesem Hintergrund bietet die Studie einen Literaturüberblick über empirische Ergebnisse zum Einfluss von Steuern und Abgaben auf das Arbeitskräfteangebot von Frauen, die Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit in Paarhaushalten sowie Ausbildungsentscheidungen und Unternehmensgründungen von Frauen. Dabei werden nicht nur direkte, sondern auch indirekte Steuern berücksichtigt. Das Arbeitskräfteangebot von Frauen reagiert demnach in Österreich wie generell in den Industrieländern sowohl hinsichtlich der Arbeitsmarktpartizipation als auch des Stundenausmaßes wesentlich empfindlicher auf die gesamte direkte Abgabenbelastung der Arbeitseinkommen als jenes von Männern. Zudem dürften eine Reihe von Begünstigungen im Einkommensteuersystem bzw. im Rahmen der Sozialversicherungsbeiträge die Partizipationsentscheidung und die Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern beeinflussen. Die Belastung der Arbeitseinkommen durch direkte Steuern und Abgaben (Lohnsteuer, Sozialversicherungs¬beiträge) spielt die wichtigste Rolle, aber auch indirekte Steuern könnten das Arbeitskräfteangebot von Frauen sowie die Arbeitsteilung in Paarhaushalten beeinflussen; diese Fragestellung wurde allerdings für Industrieländer in der Literatur bislang kaum untersucht, empirische Belege für diese Annahmen fehlen daher bislang. Die Ausgestaltung von Steuern und Abgaben soll insgesamt primär Anreize für eine Verringerung der Frauenerwerbsbeteiligung vermeiden oder dämpfen sowie eine gleichmäßige Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern unterstützen und durch Sonderregelungen im Steuer- und Abgabenrecht fördern. Der Literaturüberblick untermauert darüber hinaus die Annahme, dass durch die Besteuerung auch andere individuelle ökonomische Entscheidungen von Männern und Frauen – in unterschiedlichem Ausmaß – beeinflusst werden, etwa Bildungsentscheidungen oder Unternehmensgründungen. Hier besteht allerdings noch erheblicher Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der empirischen Überprüfung möglicher Effekte allgemein und für Frauen im Besonderen.
 
Auftraggeber: Bundesministerium für Finanzen
Studie von: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
Forschungsbereich:Makroökonomie und europäische Wirtschaftspolitik
Sprache:Deutsch

Gender Equality Goals in the Tax System

Performance-oriented budgeting at the federal level requires every ministry to formulate one gender equality objective. One of the gender equality objectives of the Federal Ministry of Finance aims at a positive contribution of the tax system with regard to a more equal distribution of paid and unpaid work between men and women. Against this background the study presents an overview of recent empirical results in the literature concerning the influence of taxes on women's labour supply and the distribution of paid and unpaid work in couples as well as on women's educational choices and female entrepreneurship. Hereby direct as well as indirect taxes are considered. This survey shows that women's labour supply in Austria (similar to other industrialised countries) is significantly more responsive to the overall tax burden on labour compared to men. Moreover, the Austrian income tax system as well as the system of social security contributions offers a number of tax relieves which can be expected to influence women's participation decisions as well as the distribution of paid and unpaid work between men and women. Obviously the burden of direct taxes on labour incomes (wage tax, social security contributions) plays the most important role. However, also indirect taxes might influence women's labour supply and the distribution of work in couples, whereby this issue up to now has hardly been studied empirically for industrialised countries so that there is practically no empirical evidence for these assumptions. The design of tax systems should primarily aim at avoiding or reducing negative incentives for female labour market participation and a more equal distribution of paid and unpaid work between men and women, while the introduction of special tax provisions to actively support these goals are considerably less relevant. Furthermore the literature survey suggests that taxation also influences – to a differing extent for men and women – other individual economic decisions, e.g., education decisions or the creation of enterprises. However, there is a considerable need for further research on these issues.

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